Über Globaliserung, Mindestlöhne, Sonntagsschutz und Bildung


Unternehmerverbände und evangelische Kirchen aus Rheinland-Pfalz im Dialog
am 21. Januar 2008 in Mainz


Die Folgen der Globalisierung, Mindestlöhne, der Sonntagsschutz und das Thema Bildung standen auf der Tagesordnung bei dem Meinungsaustausch, zu dem sich am 21. Januar 2008 die Spitzen der evangelischen Kirchen in Rheinland-Pfalz und das Präsidium der Landesvereinigung der rheinland-pfälzischen Unternehmerverbände (LVU) in Mainz trafen.

Im Rahmen der Diskussion über die Auswirkungen der Globalisierung betonte der Präses der Ev. Kirche im Rheinland Nikolaus Schneider, dass die Kirchen Globalisierung nicht grundsätzlich negativ betrachteten, da sie sich selbst in weltweite Beziehungen eingebunden und mit Menschen in allen Teilen der Welt geschwisterlich verbunden fühlten. Die weltweiten Beziehungen bedeuteten aber eine Gestaltungs- und Ordnungsaufgabe für das Ganze. Dafür müssten teilweise erst noch geeignete Instrumente und Institutionen entwickelt werden. Dies werde aktuell durch die mangelnde Kontrolle der internationalen Finanzmärkte und die weltweiten Schäden, die durch die Krise auf dem amerikanischen Immobilienmarkt ausgelöst würden, deutlich.

Für nachhaltiges Wirtschaften
Einig waren sich Unternehmens- und Kirchenvertreter in der Notwendigkeit, schnell und wirksam gegen die „Schwarzen Schafe“ in der Wirtschaft und unseriöse Wirtschaftspraktiken vorzugehen. In diesem Kontext nannte Willi Kuhn vom Vorstand der Industrieverbände Neustadt an der Weinstraße insbesondere die überhöhten Renditeerwartungen und Renditeversprechen und der Druck, der davon auch auf andere Marktteilnehmer ausgehe. Gemeinsam müssten Antworten gefunden werden auf die Frage nach dem verträglichen Maß und der nachhaltigen Ausrichtung des wirtschaftlichen Handelns.

Für Existenz sichernde Löhne
Bei der Frage nach einem allgemeinen Mindestlohn gingen die Einschätzungen der Unternehmer und der Kirchenvertreter zwar an mehreren Punkten auseinander. Einig war man sich aber darin, dass die Lohnfindung weitgehend den Tarifpartnern überlassen bleiben sollte und dass diese dafür gestärkt werden müssten. Während der Kirchenpräsident Evangelischen Kirche der Pfalz, Eberhard Cherdron, allerdings einen gerechten, existenzsichernden Lohn als entscheidenden Punkt benannte, für den Bewertungsmaßstäbe entwickelt und umgesetzt werden müssten, stellte Dr. Gerhard Braun, Präsident der Landesvereinigung Unternehmerverbände Rheinland-Pfalz fest, dass der Maßstab für den gezahlten Lohn allein von der durch Arbeit erreichbaren Wertschöpfung auf dem Markt bestimmt werden könne.

Für einen arbeitsfreien Sonntag
Einig waren sich die Gesprächsteilnehmer in ihrer hohen Bewertung des grundsätzlich arbeitsfreien Sonntags. Ein regelmäßiger, gemeinsamer freier Tag, ein Rhythmus von Arbeit und Ruhe, gebe dem menschlichen Leben gleichzeitig eine unerlässliche Struktur und die Möglichkeit der körperlichen und seelischen Regeneration. Dies sei von existenzieller Bedeutung für das Leben selbst und ermögliche erst die Entwicklung kreativer und innovativer Kraft. Wenn die Zahl der verkaufsoffenen Sonntage immer weiter ausgeweitet werde, zeige das einen kulturellen Wandel, der den Menschen und die Gesellschaft zunehmend auf das Ökonomische reduziere. Es bestehe die Gefahr, dass die Gesellschaft darüber auseinander breche. Dem müsse gemeinsam und entschlossen entgegen getreten werden.

Für eine gute Bildung
Einig waren sich Wirtschafts- und Kirchenvertreter auch über die hohe Bedeutung der Bildung. Ohne den Wert berufsbezogenen Wissens zu schmälern, betonte Kirchenpräsident Steinacker, dass ein Bildungsbegriff, der nur an ökonomischen Zielen ausgerichtet werde, „unterbestimmt“ sei. Menschen brauchten Gewissheiten, die sie handlungs- und verantwortungsfähig machten. Zu deren Herausbildung sei Religion unerlässlich.

Wirtschaft – ein schwieriges Thema in Religonsbüchern
Dr. Braun bedauerte die Wirtschaftsferne vieler Lehrer insbesondere an Gymnasien und die teilweise einseitige und überwiegend negative Darstellung der Wirtschaft in Büchern für den Religionsunterricht. Mit beiden Punkten traf er auf offene Ohren bei den Kirchen. Es wurde angeregt, eine Projektgruppe einzusetzen, die Religionsbücher unter diesem Aspekt untersuchen solle. Der Pfälzer Oberkrichenrat Rainer Schäfer stellte fest, dass bereits heute in der Religionspädagogischen Ausbildung Wert auf den Diskurs mit der Wirtschaft und die dafür benötigten Kenntnisse gelegt werde. Dies gelte nicht nur für den Religionsunterricht an Berufsschulen. Auch engagierten sich die Kirchen in vielfältigen Beschäftigungs- und Patenschaftsprojekten sowie Orientierungsangeboten, die SchülerInnen im Übergang von der Schule in den Beruf unterstützten. Diese könnten aber durch weitergehende Kooperation sicher noch intensiviert und verbessert werden. Beide Seiten zeigten daran ein deutliches Interesse.

Ein weiteres Treffen in diesem Kreis soll in zwei Jahren, dann wieder auf Einladung der LVU, stattfinden.

Mainz, 22. 01. 2008

Dr. Brigitte Bertelmann
Referentin Ökonomie und Sozialpolitik
Zentrum Gesellschaftliche Verantwortung der
Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau
Albert-Schweitzer-Str. 113-115
55128 Mainz

Tel.: 06131 287 44 44
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