Foto: Heike Miehe, Zentrum Gesellschaftliche Verantwortung


04.10.2016
Betriebsbesuche

Im Maschinenbau sind Kreativität und Teamarbeit gefordert

Sondermaschinen für Kunststoff-Verbindungen und für die Ultraschall-Reinigung sind die Spezialität des Maschinenbau-Unternehmens KLN Ultraschall AG in Heppenheim. In der Veranstaltungsreihe „Wir machen Türen auf“ öffnete Heppenheims zweitgrößter Arbeitgeber jetzt seine Konstruktionsbüros und Fertigungshallen für das Dekanat Bergstraße und das Zentrum Gesellschaftliche Verantwortung der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau.

Mit 270 Angestellten baut der ehemalige Mittelständler, der heute zur international agierenden Crest-Gruppe gehört, Sondermaschinen, die vor allem mit Verfahren des Ultraschall-, Vibrations-, Infrarot- und Heizelementschweißen arbeiten.
Sie müssen dabei präzise Kundenwünschen erfüllen: „Von der ersten Idee bis zur Auslieferung der fertigen Maschine vergehen bis zu 24 Wochen“, erläutert der kaufmännische Leiter Stephan Heinrich in der neuen, lichtdurchfluteten, wassergekühlten Fertigungshalle. „Preis und Umsetzungszeit sind entscheidend für den Zuschlag“, ergänzt Fertigungsleiter Dominik Rau. Hat der Kunde sich entschieden, beginnt für die Konstrukteure, Mechaniker, Informatiker, Werkzeugmacher, Elektroniker und Elektriker der Wettlauf gegen die Zeit: „Nur wenn die Lieferfrist eingehalten werden kann, vertraut uns der Kunde auch neue Projekte an“, weiß Eberhard Rauscher, der als Vertriebsmann um die Kundenwünsche weiß und kenntnisreich durch die End-Montage führt.

Plätzchen ausstechen mit dem Laser-Schneider
Weder in der Fertigung, noch in der Montagehalle ist von diesem Zeitdruck etwas zu spüren: Konzentriert und in kleinen Teams setzen hier die Mechaniker die Pläne um, die in den Konstruktionsbüros entstanden sind. Große CNC-Fräsen nehmen unter Aufsicht von Werkzeugmachern oder CNC-Fräsern Stahlspäne vom Rohling ab, als wäre das Material aus Wachs und ein dicker Laser-Strahl schneidet Formteile aus 5 cm dicken Stahl-Platten als würde jemand Plätzchen aus einer großen Teigplatte ausstechen. Auch großen Stahlgestelle werden in der Fertigungshalle geschweißt und lackiert. Sie liefern das Grundgerüst der Maschine, die am Ende perfekt in den Arbeitsprozess des Kunden passen muss. Meist kommen die Maschinen in der Automobil-Fertigung in Ost-Europa zum Einsatz, doch auch bei Elektro-Geräten, in der Medizin-Technik, Optik und Telekommunikation sind KLN-Maschinen gefragt. An einer Maschine probieren zwei junge Ingenieure vom Kunden gerade, ob die Maschine ihr Kunststoff-Element präzise genug verschweißt.

Werden hier bald nur noch Roboter und Maschinen arbeiten? „Industrie 4.0 spielt bei uns noch keine Rolle“, erläutert Stephan Heinrich. „Die Kunden erwarten zwar, dass unsere Informatiker sich von Heppenheim aus per Fernwartung auf jede Maschine aufschalten können, um Störungen direkt zu beheben, doch im Maschinenbau sind auf jeder Ebene so viel Kreativität und Team-Arbeit gefordert, das können die Maschinen untereinander noch nicht.“ Flexibel muss auch während des Produktionsprozesses jederzeit auf Kundenwünsche eingegangen werden. Doch auch bei KLN werden schon Maschinen gebaut, deren Werkstück ein Roboter übernimmt und an die nächste Maschine weitergibt.

Fachkräfte mit glänzenden Zukunfts-Perspektiven
Betriebsleiter Dr. Joachim Natrup sieht die Zukunft des Unternehmens optimistisch: die 270 Beschäftigten der Aktiengesellschaft, deren einziger Aktionär zur Zeit der Amerikaner James Michael Godson ist, erwirtschafteten im abgelaufenen Geschäftsjahr ca. 4 Millionen Euro Umsatz, 40% davon im Export.  Auf den Erfolg der Firma und die zum Teil jahrzehntelange Betriebszugehörigkeit der Mitarbeiter ist Betriebsleiter Natrup stolz: Vor allem die Facharbeiter und Handwerker bei KLN sind gefragte Fachleute, die sich ihren Arbeitsplatz aussuchen können und dennoch bleiben. Mit 20 Auszubildenden im Jahr, unter ihnen in den letzten Jahren auch Menschen mit Migrationshintergrund, sorgt das Unternehmen dafür, dass junge Menschen ihren Platz im Leben finden und der Region die Fachkräfte nicht ausgehen.

Sabine Allmenröder, Ev. Dekanat Bergstraße