Christians-For-Future übergaben Forderungskatalog. V.l.n.r.: Dr. Hubert Meisinger, Kerstin Wohlfahrt, Dr. Volker Jung, Michael Streubel, Oberkirchenrat Christian Schwindt| Bild: EKHN/Rahn


20.09.2021
Zentrum

Christians-For-Future in Darmstadt Klimaaktivisten fordern mehr Einsatz von Kirchen

Die Umweltbewegung „Christians-For-Future“ will, dass die Kirchen ihr Engagement für Klimagerechtigkeit deutlich verstärken. An über 30 Orten in Deutschland brachten sie jetzt an den Leitungssitzen der Kirchen ihre Forderungen vor. Eine Delegation war auch bei der EKHN in Darmstadt.

Mitglieder der „Christians-For-Future“-Bewegung  haben der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN) einen Forderungskatalog übergeben, der sie zu mehr Einsatz für den Klimaschutz verpflichten soll. Der zwölf Punkte umfassende Appell der Umweltbewegung sieht unter anderem vor, dass sich die Kirchen „lauter in die Politik einmischen“ sowie selbst bis 2030 Klimaneutralität erreichen sollen. Daneben soll beispielsweise auf Geldanlagen aus Unternehmen verzichtet werden, die mit Öl, Gas und Kohle Umsatz erzielen. An mehr als 30 Orten in Deutschland  wurden die Forderungen am 16. September 2021 an evangelische und katholische Kirchenleitungen übergeben.

Kirchenpräsident nimmt Forderungskatalog entgegen

In Darmstadt nahm der hessen-nassauische Kirchenpräsident Volker Jung mit dem Leiter des Zentrums Gesellschaftliche Verantwortung Christian Schwindt und dem Referenten für Umweltfragen Hubert Meisinger den Katalog entgegen.  Von den  „Christians-For-Future“ übergaben Kerstin Wohlfahrt aus Frankfurt und Michael Streubel aus Schlangenbad-Georgenborn das Papier.

Kritik an zu wenig Einsatz für die Umwelt

Nach Ansicht der Aktivistinnen und Aktivisten reiche der gegenwärtige Einsatz der Kirchen für das Klima nicht aus. Gleichzeitig attestieren sie:  „Gerade in der evangelischen Kirche gibt es viele positive Beispiele für politisches Engagement für Klimagerechtigkeit, aber nicht in allen Landeskirchen und Gemeinden“.  

Kirchen sollen bis 2030 klimaneutral sein

Starke Kritik äußern sie in ihrem Papier am Beschluss der Evangelische Kirche in Deutschland (EKD), bis zum Jahr 2050 Klimaneutralität zu erreichen. Dies sei „nicht annähernd konform“  mit dem weltweiten 1,5 Grad-Ziel. Damit liege die EKD aktuell sogar hinter dem neuen deutschen Klimaschutzgesetz, das die Neutralität bis zum Jahr 2045 anvisiert. Bei den eigenen Gebäuden solle die Kirche gleichzeitig bereits bis 2030 Klimaneutralität erreichen, so eine weitere Forderung.  Die Kirchen sollten zudem „deutlich sichtbarer den politischen Diskurs mitgestalten, ihre Rolle als moralische Instanz wahrnehmen und anwaltschaftlich für die benachteiligten Menschen dieser Erde auftreten, die die Klimakrise wohl am härtesten treffen wird“, heißt es in dem Text weiter.

Hessen-Nassau rief schon zu Klimademos auf


Die Evangelische Kirche in Hessen und Nassau (EKHN) rief bereits mehrmals öffentlich zuletzt zur Teilnahme an den „Fridays-For-Future“-Bewegung auf. Die EKHN und die zu ihr gehörenden Zentren Gesellschaftliche Verantwortung (Mainz) und Ökumene (Frankfurt) sind selbst Mitglieder der Initiative „Churches for Future“ sowie der Klima-Allianz Deutschland. Die EKHN ist überdies Mitinitiator und maßgeblicher Mitträger des Netzwerkes „Religionen und Naturschutz“.  Die Kirchenleitung steht zusammen mit anderen Religionsgemeinschaften auf nationaler und internationaler Ebene in regelmäßigem Austausch mit der Klimagerechtigkeitsbewegung.

Klimaschutz in der EKHN

Seit 2016 bereits betreibt die EKHN einen abgestuften Prozess zum „Divestment“ und zieht ihre Gelder aus Unternehmen ab, die ihre Umsätze vorwiegend mit fossilen Brennstoffen machen. In der Umsetzung befindet sich ein Klimaschutzprogramm, mit dem die CO2-Bilanz der EKHN deutlich verbessert werden soll. Synodale Anträge zur Klimaneutralität sind in der Beratung.